Am 04.12.2009 findet in London, in den Räumen der Firma NESTA die Open Hardware Konferenz statt, auf der sich etwa 70 Teilnehmer einen Tag lang zum Thema Open Hardware austauschen. Da die Open Hardware Gemeinde noch recht klein ist, sind solche Veranstaltungen eher rar gesät, deshalb mache ich mich auf den Weg nach London, um live dabei zu sein. Die Atmosphäre auf der Konferenz ist absolut außergewöhnlich und geprägt von sehr vielen intensiven Gesprächen wobei der Gesprächsstoff schier unendlich scheint.

Panel der Open Hardware Conference am 04.12.2009 in London
Auf dem Programm stehen einige kurze Vorträge und Workshops, so zum Beispiel die Vorstellung des Open Source Autoprojektes des Veranstalters 40Fires oder ein Talk über Lizenzmodelle oder den Umgang mit Patenten. Lebhafte Diskussionen nach fast alle Vorträgen und in den Pausen machen die Einhaltung des Zeitplans zur Herausforderung und zeigen wie groß der Gesprächsbedarf ist.
Riversimpel das Open Source Auto Projekt von 40Fires
Reiversimple, Open Source Auto von 40Fires (Photo by riversimple)
Das Team von 40Fires hat sich dem Projekt riversimple der ehrgeizigen Mission verschrieben ein Brennstoffzellenauto für die Stadt in Open Source zu realisieren. Riversimple strebt die komplette Neuentwicklung eines Stadtautos an, ohne auf bestehenden Konzepten aufzubauen, die aus dem konventionellen Autobau stammen. Wenn die Entwicklung abgeschlossen ist, soll das Auto lediglich für die Vermietung produzieren werden. Damit will riversimple Vorreiter eines nachhaltigeren Geschäftsmodels sein, bei dem der Hersteller die Verantwortung für seine Produkte über deren gesamten Lebenszyklus übernimmt. Weitere Informationen dazu auf der Seite: http://www.riversimple.com/
Lizenzmodelle
Andrew Katz wirft mit seinem Vortrag zu intellectual property eine ganze Reihe an Fragen zum Umgang mit Lizenzen und Patenten in Open Hardware Projekten auf. Für Open Source Software sind verschiedene offene Lizenzen verfügbar, die basierend auf dem Copyright effektive rechtliche Regelungen ermöglichen. Die Gnu Public License (GPL) ermöglicht so beispielsweise die Regelung, dass alle weiterführenden Arbeiten an einer unter GPL lizenzierten Software ebenfalls unter dieser Lizenz zu veröffentlichen sind. In Bezug auf Hardware gibt es jedoch kein Copyright. Mit den üblichen Open Source Lizenzen kann man hier nur die Konstruktionsdaten schützen. D.h. ich kann zwar eine CAD-Datei unter eine GPL stellen, nicht jedoch das damit beschrieben Produkt. Wenn also jemand dasselbe Produkt mit neuen CAD-Daten herstellt, ist er nicht mehr an die GPL gebunden.

Andrew Katz bei Vortrag auf der Open Hardware Conference (Photo by oreillygmt)
Im Hardwarebereich der Schutz von geistigem Eigentum über Patente geregelt. Diese sind jedoch für die Verwendung in Open Source Projekten wenig geeignet, da die Gewährungsfristen lange und die Kosten sehr hoch sind. Außerdem ist bis zur Patentgewährung keine Veröffentlichung der Inhalte und somit keine Weiterentwicklung in der Open Source Community möglich.
Um das Thema Patente und Lizenzen drehen sich im Anschluss an den Vortrag viele Gespräche in der Pause und beim anschließenden Bier im benachbarten Pub. Es wird dabei deutlich, dass das Thema Patente und Lizenzen eine große Herausforderung für Open Hardware Projekte bleibt.
Open Innovation und Open Source
Relativ zu Beginn der Konferenz hält Francesco D'Orazio von der Agentur Face einen Vortrag über Open Innovation, Co-Creation und Crowdsourcing. Darüber also, wie Unternehmen Ihre Innovationsprozesse für die Beteiligung von Kunden öffnen und davon profitieren können. Francesco provoziert damit heftige Diskussionen darüber, ob diese Art der Kundenintegration etwas mit Open Hardware zu hat, da die Produkte, die aus diesen Prozessen resultieren closed Source bleiben. Ich denke, dass zwischen den beiden Themenfeldern Open Source und Open Innovation eine Abgrenzung tatsächlich wichtig ist. Währen Open Source sicher eine Form dern Co-Creation oder Open Innovation darstellt, ist dies andersrum nicht zwangsläufig der Fall.

Francesco D'Orazio beim Vortrag auf der Open Hardware Conference (Photo by oreillygmt)
In weiteren Diskussionen zeigt sich dann aber, dass opensource Projekte nicht zwangsläufig besonders gut darin sind, die Bedürfnisse der späteren Nutzer zu erkennen und zu berücksichtigen. Es sind zwar viele spätere Nutzer an der Entwicklung beteiligt, aber nur die, die das technische Wissen und die Motivation haben an den Produkten selbst mit zu entwickeln. Die Bedürfnisse weniger technisch Interessierter Nutzer, die unter Umständen durchaus andere sein können, werden so vernachlässigt. Es stellt sich also auch in opensource Projekten die Frage, wie man den Innovationsprozess im sinne der Open Innovation für die weniger technisch orientierte Nutzer öffnen kann.
Links zu interessanten Projekten die Thema von Vorträgen, Workshops oder Kaffeepausen waren:
- Arduino - Open Source Physical Computing
- Open Moko - Open Source Handy
- HomeCamp - The homehacking, automation and green technology community
- Hackteria - DIY / Open Source Bio-Tec
- Hexayurt Projekt - Open Source Hütten
- Bug Labs - Modularisierte Mobilgeräte